On 11. Oct 2006, at 0:00, Wolfgang Uhr wrote:
> Also als Physiker interepretier ich nun
>
> 8.65000 +- 0.000005 / 48.78330 +- 0.000005
>
> Und das ist mit Sicherheit falsch.
Richtig. Alle Daten sind auf diese Dezimallänge erweitert. Die
tatsächliche Genauigkeit ist geringer.
Nimm einfach nur die Dezimalstellen und sieh dir deren
Häufigkeitsverteilung an.
Ich habe es gerade mal nachgesehen und muss mich selber korrigieren:
Etwa 12000 von 15000 Einträgen haben eine Genauigkeit im Minutenraster,
z.B.
Min. Häufigkeit
42' 255
39' 249
44' 243
43' 236
40' 236
38' 236
35' 235
37' 233
...
0' 153
29' 146
>> Das sind typische Koordinaten für ein relativ ungenaues Raster - es
>> gibt
>> noch einige weitere Orte mit 48.78330 und 8.65000. Ursache dafür ist
>> die
>> Datenquelle: NIMA-Daten mit genau dieser ursprünglichen Auflösung.
>> Demzufolge könntest du also für die Gemeinde hier genauere Daten
>> heraussuchen.
>
> Raussuchen? Wo sucht man solche Daten? Früher hat man für sowas einen
> Sextanten genommen. Heute müsste es ein GPS-Empfänger eigentlich auch
> tun. Aber irgenwann müsste mal einer konkret sagen, was er sich unter
> "genau" vorstellt.
Wie wär's mit nachdenken und eigene Vorstellung vorschlagen?
Meine Vorstellung von genau wäre, dass die Koordinate zumindest
innerhalb der zugehörigen Fläche liegt.
'Genau' wäre also etwas, wo sich die Anzahl der Dezimalstellen
proportional zur Wurzel aus der Fläche verhält.
Du kannst dir selber ausrechnen, welche Strecke einer Abweichung um
eine halbe Minute entspricht.
Einer der kleinen ist z.B. die Gemeinde Sengerich mit 1 km^2 Fläche und
20 Einwohnern. Aber ist es tatsächlich so relevant, diese Minigemeinde
zu korrigieren? Von daher sollte man da eher top-down arbeiten und erst
mal die Gemeinden mit besonders vielen Einwohnern durcharbeiten.
>> Ebenso könntest du z.B. alle Einträge heraussuchen, die auf genau
>> diesen
>> Rasterstufen liegen und die Koordinaten zurechtrücken.
>
> Vorraussetzung dazu ist, dass ich verstehe, was gemeint ist - ich meine
> das "Zurechtrücken"!
Wird das nun klar?
>> Konkretes Problem: Diese Koordinaten sind zugleich die der Gemeinde,
>> wie
>> uch des Ortes Schömberg. Du kannst auch prüfen, ob die Koordinaten nun
>> repräsentativ für den Ort oder für die Gemeinde sind - denn
>> Bieselsberg,
>> Charlottenhöhe, Langenbrand, Oberlengenhardt oder Schwarzenberg fehlen
>> bisher noch in der opengeodb.
>
> Das kann ich prüfen ja - wie prüft man sowas?
Gegenfrage: wie würdest du denn die Koordinate eines Ortes
herausfinden, um überhaupt etwas korrigieren zu können?
Ein einfacher online-Ansatz ist, sich z.B. bei Google-Maps die
Koordinate anzeigen zu lassen und dann sie so zu verschieben, dass sie
tatsächlich über dem Ort liegt - das geht natürlich nur für Orte, nicht
aber für Gemeinden, die mehrere getrennte Orte umfassen. Bei denen
kannst du die Koordinate entweder auf den Schwerpunkt der
Gemeindefläche legen, auf den Sitz der Gemeindeverwaltung (beachte,
dass manche Gemeinden zu Ämtern zusammengeschlossen sind oder von der
Nachbargemeinde mit verwaltet werden), du kannst statt dem
geographischen Schwerpunkt aber z.B. auch den Schwerpunkt ermitteln
über den Mittelwert der nach Einwohnern gewichteten Koordinaten der
zugehörigen Orte. Beachte, dass bei z.B. C-förmig geformten Gemeinden
die Koordinate dann auch ausserhalb der tatsächlichen Gemeindefläche
liegen kann. Wie willst du dann vorgehen?
Google-Map setzt voraus, dass deren Satellitenbilder auch tatsächlich
korrekt ausgerichtet wären. Das stimmt zwar immer besser - aber den
augenblicklichen Stand weiss ich nicht.
Du kannst auch Kartenmaterial heranziehen und es damit abschätzen.
Wenn's aber nicht gerade topographische Karten in ausreichender
Auflösung sind, dann stellen andere Karten fast immer eine optische
Vereinfachung zur besseren Lesbarkeit dar - haben also auch falsche
Koordinaten. Mit Kartenmaterial in einer Auflösung von z.B. 1:100 000
wird das schon etwas ungenau (wie viel entspricht einer Minute in
deiner Umgebung in Länge und Breite?). Mit 1:20 000 und bekannten
Referenzpunkten kann man das schon recht genau interpolieren.
Oder du fährst einfach mit deinen GPS-Empfänger hin...
Vielleicht erklärt dir diese Nennung unterschiedlicher Ansätze, warum
ich dir keine Definition von genau geben kann oder mag - letztendlich
erfolgt ein Zurechtrücken nach subjektiv gewerteten Merkmalen. Manche
machen das optisch nach Gefühl, manche tendieren in Richtung
Ortsmittelpunkt (Marktplatz, Kirche). Betrachte z.B. den Münchner
Marienplatz - das ist Referenzpunkt "0 km" auf den Entfernungsangaben.
Einen Kilometer vor der Stadtgrenze werden dir noch immer viele
Kilometer bis nach München angezeigt, eben jemen Referenzpunkt, der
nicht einmal mehr mit dem privaten Kfz angefahren werden darf. Genau?
Als Physiker weisst du doch genug über Modellbildung und
Vereinfachung...
Schönen Gruß
Martin
--
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